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AIFM-Richtlinie: Staatliche Kapitalmarktregulierung Alternativer Investmentfonds

(Richtlinie 2011/61/EU)

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Auf Grund der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 beschlossen die G-20, also die 20 größten Industrienationen der Welt, zukünftig keinen Finanzmarktakteur unreguliert zu lassen.

Publity erklärt den Publikums-AIF:




Renditestarke Anlageprodukte sind attraktiver, aber auch risikoreicher! Mit der Einführung der AIFM-Richtlinie (engl. AIFMD, Alternative Investment Fund Manager Directive) Mitte des Jahres wird Investoren jedoch schon bald mehr Sicherheit und Schutz geboten. Einheitliche Regeln und Vorschriften für Investmenthäuser sollen Offene Immobilien- und Hedgefonds aber auch Private Equity Fonds stärker regulieren sowie für Privat- und professionelle Anleger transparenter machen. Die neue Regelung greift somit auch für unser Kurzläufer-Portfolio.

So müssen Investmenthäuser ihre Angebote zukünftig einer Zulassungspflicht sowie einer kontinuierlichen Aufsicht unterziehen. Ein angemessen striktes Risiko- und Liquiditätsmanagement sind nur zwei der Voraussetzungen, die für eine Zulassung bestehen. Fondsverwalter müssen ferner Sachkenntnisse und Erfahrung nachweisen. Regelmäßige Berichte gegenüber der Finanzaufsicht, die je nach Fondstyp unterschiedlichen Anforderungen entsprechen müssen, tragen ebenfalls zu mehr Transparenz bei.

Wir bewerten die Einführung der AIFM-Richtlinie als äußerst positiv, da sie unserer Meinung nach einen umfassenden Anlegerschutz bietet. Damit entspricht sie unserer Maxime, größtmögliche Sicherheit zu offerieren. Da Kundengelder künftig von einer Depotbank verwahrt werden müssen, sehen wir in der Einführung der neuen Richtlinie gleichzeitig auch die Chance einer drastischen Reduzierung des Veruntreuungsrisikos.


Mehr Sicherheit durch staatliche Kontrolle:

Seit dem 22. Juli 2013 ist die AIFM-Richtlinie in Kraft getreten (Informationen Finanzmarkt »). Damit hat man das Segment Alternativer Investments, unter die die meisten unserer Kurzläufer fallen, unter staatliche Kontrolle gestellt. Dies bedeutet deutlich mehr Sicherheit für den Anleger!

Fondsmanager alternativer Investmentfonds (AIF) müssen ihre Strategien, Organisation und Managementmodelle einer grundlegenden Analyse und in vielen Fällen wohl einer Neuausrichtung unterziehen. Insbesondere für kleinere Unternehmen werden der Aufwand und die Kosten, die mit einer Zulassung im Zusammenhang stehen, nicht darstellbar sein.

Die wesentlichen Änderungen haben wir an dieser Stelle zusammengetragen. Am Ende finden Sie einige, wertvolle Weblinks zum Thema AIFM.

Die BAFIN fordert ein hohes Maß an Dokumentation und Überwachung

  • Für den alternativen Investmentfonds Manager (AIFM) besteht seit dem 22. Juli 2013 eine Genehmigungspflicht - Zulassungspflicht durch das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistung (BAFin)
  • Fondsmanager müssen Anforderungen an Liquiditäts- und Risiko-Management erfüllen
  • Strukturen und Prozesse sind reguliert
  • Die handelnden Personen müssen ausreichend gut beleumdet sein sowie über ausreichende Erfahrung im Hinblick auf die Anlagestrategie des von dem Fonds verwalteten Vermögens verfügen und alle sich aus der Richtlinie ergebenen Pflichten erfüllen
  • Vier Augen Prinzip, also mindestens zwei Gesellschafter
  • Sachkundenachweis und eine Zulassung nach dem Kapitalanlagengesetzbuch (KAGB)

Die aus unserer Sicht wesentlichste Änderung ist die Regulierung des Anlagevermögens der Kunden!

Zur Vermeidung von Interessenkonflikten sieht die Richtlinie eine Trennung der Verwahrung der Vermögenswerte eines alternativen Investmentfonds von dem Portfolio- und Risikomanagement des Fonds vor. Zu diesem Zweck hat der Fonds eine unabhängige und ausschließlich im Interesse der Kunden handelnde Verwahrstelle zu benennen.

Bei der Verwahrstelle muss es sich grundsätzlich um ein Kreditinstitut, also eine Depotbank handeln!

Haftung der Depotbank für Verluste von Anlageobjekten

Für den Fall des Verlustes von Finanzinstrumenten ist in der Richtlinie eine separate Haftungsvorschrift für die Depotbank vorgesehen. Diese ist nur ausgeschlossen, wenn die Bank beweisen kann, dass der Verlust auf höhere Gewalt zurückzuführen ist. Darüber hinaus hat die Bank für alle Verluste zu haften, die den Anlegern des Fonds entstehen, weil die Bank schuldhaft oder auf Grund von Nachlässigkeit die ihr obliegenden Verpflichtungen aus der Richtlinie nicht erfüllt hat.
  • Die Kapitalverwahrung darf nur noch von einer Depotbank übernommen werden, die gleichzeitig in die Haftung genommen wird
  • Bei einem Verlust des Anlagevermögens, muss die Depotbank nachweisen, dass der Verlust nicht vorhersehbar war und nicht durch Maßnahmen der Depotbank vermieden werden konnte
  • Es besteht die Pflicht zur unabhängigen und objektiven Bewertung der Vermögensgegenstände in einem alternativen Investmentfonds (AIF).
  • Die Depotbank kontrolliert den alternativen Investmentfonds (bspw. Cash-Flows)
  • Die Aufgabe der Depotbank ist es, mit Spezialwissen die Prozesse und Systeme des Fonds zu Beginn und regelmäßig zu kontrollieren

Die Aufgaben der Depotbank sind:

  • die Entgegennahme sämtlicher Zahlungen eines Anlegers bei Zeichnung
  • die Verbuchung der Zahlungseingänge auf gesonderten Konten
  • die Verwahrung aller Finanzinstrumente des alternativen Investmentfonds
  • die Prüfung, ob der Fonds tatsächlich Eigentümer aller Vermögenswerte ist
  • die ordnungsgemäße Bewertung der Anteile des alternativen Investmentfonds

Die Depotbank ist damit die zentrale Kontrollinstanz und bietet dem Anleger Sicherheit und einen entsprechenden Nutzen im Sinne des Anlegerschutzes.


Das Gründungskapital eines alternativen Investmentfonds wurde von 25.000 Euro auf 115.000 Euro angehoben

  • Der Fonds muss über ausreichende Eigenmittel verfügen
  • Das Einlagenkapital wurde von 25.000 Euro auf 115.000 Euro angehoben
  • Von der BAFin wird ein entsprechendes Risiko- und Liquiditätsmanagement gefordert


Die Managementgesellschaft muss außerdem Mindestkapitalanforderungen erfüllen, die sich an dem Volumen des Fonds orientieren

  • Ab einem Anlagevolumen von 250 Mio. Euro verwaltetem Vermögen, muss der Fonds 0,02 % zusätzliche Mittel als Eigenkapital bereitstellen
  • Der Fonds muss ein eigenständiges Risikomanagement haben, welches insbesondere
  • unabhängig vom Portfoliomanagement strukturiert sein muss
  • regelmäßige Stresstests für gewöhnliche und außergewöhnliche Liquiditätsbedingungen werden Standard


Risikomanagement

Zur Steuerung der Risiken des Fonds, wird der Fondsmanager vom Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistung (BAFin) verpflichtet, ein Risikomanagementsystem einzuführen. Die wesentlichen Risiken der Anlagestrategie des Fonds müssen damit ausreichend festgestellt, gemessen, verwaltet und verfolgt werden. Das Risikomanagementsystem muss mindestens einmal im Jahr überprüft und ggf. angepasst werden.


Mindestanforderungen an das Risikomanagementsystem:

  • Due Diligence: Eine angemessene, dokumentierte und regelmäßig aktualisierte Sorgfaltsprüfung
  • Eine ordnungsgemäße Ermittlung, Messung, Verwaltung und Überwachung von Risiken der getätigten Investitionen
  • Durchführung von Belastungstests
  • Einhaltung des Risikoprofils, die sich aus dem Prospekt und Emissionsunterlagen ergeben

Liquiditätsmanagement:

Um die Liquidität des Fonds sicherzustellen, wird der Fondsmanager durch die AIFM-Richtlinie zur Einführung eines angemessenen Liquiditätsmanagements verpflichtet. Davon nicht betroffen sind reine Eigenkapitalfonds.


Wesentliche Anforderungen an das Liquiditätsmanagement:

  • Durchführung regelmäßiger Stresstests für gewöhnliche und außergewöhnliche Liquiditätsbedingungen des Fonds
  • Die Regelungen zur Rücknahme von Anteilen müssen sich mit der Anlagestrategie und dem Liquiditätsbedarf des Fonds decken

Eigenkapitalanforderungen

  • Mindestens 125.000 Euro
  • Ab einem verwalteten Fondsvolumen von 250 Mio. Euro zusätzlich 0,02 % zusätzliches Eigenkapital

Transparenzforderungen die sich durch die AIFM-Richtlinie ergeben:

Ein weiteres Ziel der Richtlinie ist die Transparenz alternativer Investmentfonds gegenüber den Anlegern und Behörden zu erhöhen. Das soll dem Anlegerschutz dienen und eine Systemaufsicht der Behörden erleichtern.

  • Der Fondsmanager muss für Transparenz über seinen Fonds sorgen
  • Veröffentlichung eines Jahresberichts innerhalb von sechs Monaten nach Geschäftsjahresende
  • Der Jahresbericht umfasst die Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung und einen Tätigkeitsbericht des abgelaufenen Geschäftsjahres
  • Der Anleger muss über wesentliche Änderungen informiert werden
  • Details zu den Vergütungen müssen offengelegt werden
  • Der Jahresbericht muss durch einen Wirtschaftsprüfer geprüft werden

Kontrolle durch das Bundesaufsichtsamt für Finanzdienstleistung

Die Richtlinie verpflichtet den AIFM seiner Tätigkeit ehrlich, mit der gebotenen Sachkenntnis, Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Fairness nachzugehen.

Die EU ist der Auffassung, dass eine verlässliche und objektive Anlagebewertung für den Schutz der Anlegerinteressen von entscheidender Bedeutung ist. Deshalb verpflichtet die Richtlinie den Fondsmanager, die von einem Fonds erworbenen Vermögenswerte und den Wert der Fondsanteile mindestens einmal jährlich zu bewerten.


Links zum Thema:

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
http://www.youtube.com/watch?v=z9J7syGEU00

Rede von Björn Sänger zum Thema AIFM
http://www.youtube.com/watch?v=NeGDCOGbN9c

Geschlossene Fonds nach der AIFM-Richtlinie
http://www.youtube.com/watch?v=QNkq6aF_p3k

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